Highway to Church oder das Geheimnis der Freundschaft

Was macht eine wirklich gute Freundschaft aus? Woraus baut man sie? Wie nährt man sie? Wie hält man sie fest, ohne sie zu erdrücken?

Eine Freundin – und ich bin mir gar nicht sicher, ob sie noch eine ist oder auch je eine war – sagte mir, es sei ihr zu einfach, dass mir an der Freundschaft etwas läge, weil ich sie mag. Aber was dann?

Was macht also eine Freundschaft aus? Sind es gemeinsame Interessen? Hobbys? Zusammen Gelebtes? Woraus ist dieses Band, das einen aneinander festhalten lässt – oft sogar selbst nach dem größten Ärger, der tiefen Verletzung, der bitteren Enttäuschung? Woher kommt dieses Vertrauen, das der herbsten Erschütterung die Stirn zu bieten vermag? Ist es ein filigranes, hoch kompliziertes Konstrukt, an dem Jahre lang gebastelt werden muss? Oder ist es vielleicht etwas ganz Banales? Etwas Archaisches gar?

Wir haben gestern die Kirche gerockt. Spätestens bei Bon Jovis „It’s my Life“ waren alle auf den Beinen und haben in den Gängen getanzt. Und in diesem einem Moment, da hatte die Wahrheit scharfe Konturen, die an den Rändern das Licht schillernd zurück warfen. Ein einziger Blick zu den Mädels hat gereicht.

Es ist völlig egal, ob wir ähnliche Interessen haben oder nicht. Ob wir auf noch gar nicht so viel gemeinsam Gelebtes zurück blicken können oder ganz unterschiedliche Leben führen. Darauf kommt es nicht an. Vielleicht ist es gar unsere große Verschiedenheit, gewiss aber eines, das uns gemeinsam ist.

Jede kann einfach sie selbst sein – und das sogar von peinlich bis irre! Keine wird gebogen. An keiner gezerrt. Sogar die ehemalige Pfarrersfrau (mit heute noch Jesus und Kreuz an der Wohnzimmerwand) kann es aushalten, wenn wir in einer Kirche „Highway to Hell“ singen. Und zwar weil wir uns mögen. Nicht weniger, nicht mehr.

Wichtiger aber vielleicht noch: Wir können zusammen so ausgelassen Spaß haben, bis wir uns fast schon in die Hose pinkeln. Und lachen bis wir keine Luft mehr bekommen.

Wir sind vermutlich, jede für sich, in der einen oder anderen Facette weit ab von der Norm (und meistens sieht man uns das nicht mal an), aber was soll’s. Ich würde, wenn mich einer fragen würde, über jede einzelne nur sagen wollen „fucking perfect“.

Also, Mädels… „Hit the road Jack…“

PS: Und dass der Gitarrist zu mir sagt „Ich wüsste nicht, wo ich lieber wäre als auf Deinem iPod“, das bringt ihm vermutlich irgendwann doch noch mal eine meiner Eric Clapton Tassen ein.

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